Nagios trotzt der Krise: Würth Phoenix holt Open Source Guru nach Bozen
(07. Mai 2009)Erster Auftritt von Nagios Gründer Ethan Galstad in Bozen
Über 200 Besucher aus ganz Italien und dem benachbarten Ausland nahmen letzte Woche die Möglichkeit wahr, sich in einer international besetzten Veranstaltung ausführlich über aktuelle Open Source Trends zu informieren, auszutauschen und darüber zu diskutieren.
„Am Beginn dachte ich an einen Erfolg, wenn vielleicht 10 oder 20 Unternehmen damit arbeiten würden“. Nagios Gründer Ethan Galstad gibt sich selbst überrascht über die jüngste Entwicklung. Mittlerweile hat sich die Open Source-Lösung zur Überwachung von IT-Infrastrukturen mit über 250.000 Nutzern zu einem international bewährten Standard etabliert – und ist trotz oder vielleicht gerade wegen der Krise weiterhin auf Erfolgskurs.
Durch Mundpropaganda zum Erfolg
Was Nagios dabei so einzigartig macht, ist die enorme Geschwindigkeit, mit der sich die Studenteninitiative allein durch Mundpropaganda durchgesetzt hat: „Es gab für Nagios nie ein Marketingbudget, das Projekt hat in den letzten beiden Jahren eine gewaltige Eigendynamik entwickelt und wird mittlerweile von kleineren Unternehmen ebenso eingesetzt wie von Multis wie Shell, BMW oder Lufthansa“ so Galstad. Der 34-jährige Amerikaner veröffentlichte als Administrator an der University of Minnesota 1999 die erste Version der Software und wirkte bei seinem Auftritt in Bozen trotz des durchschlagenden Erfolges bescheiden.
Auf großes Interesse bei den Teilnehmern stieß im Rahmen der Veranstaltung die Diskussion über die zukünftige Zusammenarbeit zwischen der Open-Source-Community und der IT-Industrie, um kommerzielle Open-Source-Lösungen auf dem Markt anzubieten. „Entscheidend sei die Funktionstüchtigkeit und Ausgereiftheit der Lösung, weniger die Herkunft“, so Galstad. Natürlich spiele auch der Kostenfaktor eine wesentliche Rolle, und dabei kämen die fehlenden Lizenzkosten bei Open Source-Produkten natürlich zugute.
WÜRTHPHOENIX NetEye beispielhaft für das Zusammenspiel zwischen Open Source und IT-Industrie
Beispielhaft für das wachsende Zusammenspiel von Open Source und kommerziellen Anbietern ist der IT-Dienstleister und Mitorganisator der Veranstaltung, Würth Phoenix. Mit seiner auf Nagios aufbauenden Lösung WÜRTHPHOENIX NetEye setzt das Bozner Unternehmen aktiv auf die Erweiterung von Open Source und sieht darin eine gute Möglichkeit, kommerzielle Softwareangebote auf lizenzfreie Komponenten aufzubauen. „Der Kunde entscheidet nach Bedarf und Nutzen und längst nicht mehr nach überholten ideologischen Kriterien“ meint dazu Georg Kostner, Produktverantwortlicher für NetEye bei Würth Phoenix. Gewinnen könnten in Zukunft nur Anbieter, die Open Source nicht als rasch einzuführende Ergänzung des eigenen Portfolios sehen, sondern darin ein strategisches Geschäftsmodell mit klaren Mehrwerten entwickeln. Man müsse sich aktiv in die Weiterentwicklung involvieren und seinen Beitrag an der Open Source Community leisten, um glaubwürdig und dadurch langfristig erfolgreich zu sein.
Dass dies bei großen IT-Anbietern schon längst Realität sei, veranschaulichte Wojciech Kocjan, System Architekt bei IBM Corporation. IBM nutzt Nagios, investiert stark in die Entwicklung und bietet es selbst als erweiterte Dienstleistung an. Überzeugt von diesem Modell zeigt sich ebenso Luca Deri, Open Source Visionär von der Universität Pisa. Die Abkapselung der Open Source Community sei ebenso überholt wie die ursprüngliche Arroganz der kommerziellen Anbietern gegenüber Open Source Initiativen. Ein enges Zusammenspiel ist bereits Realität und bringt beiden Seiten Vorteile.
Für weiterführende Informationen: Sämtliche Beiträge zu der Veranstaltung sind zum freien Download bereitgestellt.











